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Tanzimprovisation – das Zusammenspiel von Intuition und Kognition Aufsatz anlässlich des Workshops „Improvisation und Körperarbeit“ im TanzRaum Münster, März 2018 von Uli Trautmann, Tanzpädagoge, letzte Bearbeitung am 18.04.18 „Der Zufall trifft nur einen vorbereiteten Geist.“ Louis Pasteur Was ist Intuition In der Tanzimprovisation tanzen wir spontan und verlassen uns auf unsere Intuition. Und auch der kognitive Anteil in uns spielt eine Rolle. Wir haben beide Anteile in uns: Das Messen, das Bewerten, das Einordnen, das Planen. Das Gefühl, die Ahnung, die Emotion. Unsere Gesellschaft greift mehr auf ersteres zurück. Die Psychologie sieht die „emotionale Intelligenz“ inzwischen als gewichtiger an, als die „Kognitive“ die „Erlernte“. Das Verhältnis solle eigentlich bei 70 zu 30 liegen. Einstein und die Intuition: "Alles, was zählt, ist die Intuition. Der intuitive Geist ist ein Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat." Albert Einstein, zitiert aus: PM. Dezember 2009.  Woher kommt die Intuition? Es gibt unterschiedliche Begriffe die Intuition beschreiben, wie z.B. „gefühltes Wissen“, „abgesunkenes Wissen“ oder „geschulte Intuition“. Deutlicher wird es noch, wenn ich mir die Herangehensweise von zwei sehr etablierten Künstlerinnen anschaue: Marina Abramović ist eine serbische Performance-Künstlerin. Eine Herangehensweise von ihr ist es, dass sie sich mit einem Thema in den unterschiedlichsten Facetten beschäftigt - sich damit „füttert“. Dann lässt sie los, entspannt sich, lässt es fließen und aus diesem Zustand heraus entsteht das Werk. Pina Bausch war eine deutsche Tänzerin, Choreografin, Tanzpädagogin und Ballettdirektorin des nach ihr benannten Tanztheaters. Sie entwickelt die Choreografien aus den Biografien ihrer TänzerInnen heraus, indem sie die TänzerInnen über Fragestellungen improvisieren lässt. Sie beschreibt das folgendermaßen „Der Körper ist ein Erinnerungsspeicher - seine Bewegung ist Ausdruck gelebter Erfahrung. Der unmittelbare physische Ausdruck, die Bewegung rührt auf einer assoziativen Ebene ein Wissen an, dass jeder Mensch in sich trägt“. Inzwischen nehmen immer mehr Wissenschaftler Konzepte wie "Inneres Wissen" ernst. Experten bescheinigen der Intuition, dass sie aus einer Wissensflut - also Erfahrungen - die entscheidenden Informationen herausfiltern kann, die in einer bestimmten Situation wichtig sind. Sekundenschnell vergleicht das Unbewusste die (focussierbare oder lenkbare) Wahrnehmung mit abgespeicherten Fakten - oder abgesunkenem Wissen - und stellt wichtige Verknüpfungen her, die der Geübte sofort in einen spontanen Bewegungsausdruck formen kann. Intuition  wird aus Erfahrung gespeist. Das können Erfahrungen aus der Vergangenheit sein – Lebenserfahrung. Es kann auch sein, dass man sich direkt vor einer Improvisation bewusst, intensiv mit etwas beschäftigt und möglichst unterschiedliche Wahrnehmunskanäle nutzt. Intuition, Kognition - Improvisation Abgespeicherte Erfahrungen können also angeregt werden. Sie werden je nach Art der Anregung und der entsprechenden Focussierung gefiltert und Verknüpfungen werden hergestellt. Ähnlich wie beim „Brainstorming“ (dem unbewerteten auftauchen lassen von Informationen bezogen auf ein Thema), können auch Bewegungen auftauchen. Je größer der Erfahrungsschatz, desto vielfältiger und differenzierter kann Bewegung auftauchen. Die Intuition kann also „gefüttert“ oder „befragt“ werden. Eine folgende Improvisation kann die Tanzenden  dann überall hinführen. Ich beobachte im Unterricht allerdings, dass in einer anschließenden Improvisation  Themen vermehrt auftauchen können. Themen, mit denen man sich über die Wahrnehmung verknüpft mit  Bewegung vorher beschäftigte, auseinandersetzte, diese fokussierte. Man kann Themen „befragen“ und  den Erfahrungsschatz „anstoßen“. Man kann die Wahrnehmung/Bewegung „vortrainieren“ und  Wahrnehmungs- und Bewegungskanäle „vorglühen“. In der Improvisation ist eine Intuition dann Wissen, das auf Erfahrung beruht und durch direkten Kontakt mit etwas Wahrgenommenem oder Fokussiertem hervortritt. Auf dem „Marktplatz der Möglichkeiten“ bieten sich Chancen anzuknüpfen. Die Improvisation ist ein Wechselspiel zwischen Intuition und Kognition. Man nimmt eine sich beobachtende Rolle ein. Man nimmt „im Moment“ wahr was intuitiv passiert. Manchmal läuft die Improvisation rein intuitiv. Es können im „Selbst Beobachten“ auch Themen, Situationen erkannt werden. Dann kann im Moment entschieden werden, am auftauchenden Thema eine Weile „Dran zu bleiben“ und es wieder auf eine intuitive Schiene zu setzen. Es ist ein Wechselspiel zwischen Intuition und Entscheidung in fließenden Übergängen. In der Tanzkunst stehen uns für das „Vorglühen“, trainieren, üben die Tanzaspekte zur Verfügung: Raum Zeit/Musik Körper/Bewegung Kontakt Fantasie Wir können über die Tanzaspekte an unserem Erfahrungsschatz und an unserer Wahrnehmungs- und Bewegungskompetenz arbeiten Unser Instrument – Der „Responsiv Body“ In der Tanzkunst ist unser Instrument der Körper. Das ist prima, dann können wir jederzeit „loslegen“. Er ist direkt mit unserer Intuition verbunden. In Bezug auf das spontane Tanzen/Improvisieren kann vom „Responsiv Body - dem antwortenden Körper.“ gesprochen werden. Der Körper besitzt eine eigene Bewegungsintelligenz, die sich mehr und mehr über die Wahrnehmungs- und Bewegungsarbeit entwickelt (zu jeder Bewegung gehört eine Wahrnehmung und umgekehrt). Er kann eigenständig reagieren und verfügt über instinktive Reflexe. Die Antwort ist Intuitiv. Die Antworten entstehen aus dem Erfahrungsschatz. Entspannung aus der tänzerischen Körperarbeit Anspannung überdeckt Empfindung/Wahrnehmung. Wenn man angespannt ist, dann steht dieses Gefühl geistig und körperlich so stark im Vordergrund, dass das Gefühl, die Intuition gar nicht oder nur schwer erreicht werden kann. Man ist vorwiegend mit der Anspannung beschäftigt und die anderen Kanäle sind weitest gehend blockiert. Das kann man medizinisch u.a. mit dem vegetativen Nervensystem erklären. Vieles oder alles funktioniert in der Welt und in uns als Mensch in Gegensätzen. Das Herz kontrahiert und entspannt sich, bei der Atmung ist es ähnlich, die Muskulatur funktioniert über beugen und strecken (anspannen, entspannen). Es gibt noch mehr Beispiele. Man nennt das Bipolarität. Im Organismus ist das vegetative Nervensystem hauptsächlich für dieses Zusammenspiel der Gegensätze verantwortlich. Es fungiert als die Energiezentrale. Dabei spielen zwei Anteile eine Rolle: Der Sympathikus und der Parasympathikus. Die beide steuern gemeinsam wichtige Körper-Funktionen. Der Sympathikus ist eher für die „Power“ zuständig und versetzt den Körper in erhöhte Leistungsbereitschaft. Der Parasympathikus ist als Teil des vergetativen Nervensystems Gegenspieler (Antagonist) des Sympathikus. Durch ihn werden vorwiegend Körperfunktionen innerviert, die der Regeneration des Organismus und dem Aufbau von Energiereserven dienen. Das innere Gleichgewicht (Homöostase) des Organismus wird auch unter seinem Einfluss wieder hergestellt. Er sorgt eher für die Ruhe und die Entspannung. Das Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus sollte im Gleichgewicht sein. Der wichtigste Nerv des Parasympathikus ist der Vagus-Nerv. Dieser steht in direkter Verbindung zum vegetativen Nervensystem. Es ist ein Haupt-Nerv im Hirnstamm. Dieser verschickt die Botschaften aus dem Gehirn in die Körperperipherie. UND: Über den Vagus-Nerv kommen auch Botschaften aus der Peripherie wieder zurück in die Zentrale. Es ist also ein Dialog. Dabei transportiert der Vagus auch Gefühle und Empfindungen, die bei uns zu den „sogenannten“ Bauchentscheidungen führen. Das könnte man Bauchgehirn nennen. Oder emotionale Intelligenz. Oder Intuition. Je mehr wir aktiv an unserer Ruhe arbeiten, umso freier wird der Weg durch den Vagus-Nerv, bzw. umso mehr wird dieser unterstützt. Die Fähigkeit intuitiv zu handeln steigt. Anspannung überdeckt Empfindung. Hier macht Körperarbeit Sinn. Beschreiben statt bewerten Es also ist für das Improvisieren, das ja im Moment passiert, hilfreich, wenn man sich entspannt. Kontraproduktiv ist es, sich ständig zu bewerten: mache ich es gut, oder schlecht? Dann ist der kognitive Anteil aktiv, der Forderungen an uns stellt, die uns stressen. Dann ist die Intuition nicht zu erreichen. Insbesondere wenn man anfängt zu improvisieren, dann ist „Bewertung“ eigentlich IMMER das Thema. So ganz frei ist niemand davon, weil wir es gewohnt sind, dass unsere „Leistung“ immer benotet oder bewertet wird. Gut – Schlecht, Richtig – Falsch. Hilfreich ist es, Erlebtes / Erfahrungen erst einmal zu beschreiben, oder beschreibend zu reflektieren, anstatt direkt zu be- oder verurteilen. Beobachten und beschreiben macht Erfahrungen unbewertet bewusst und man kann darauf aufbauen. Der Neurobiologe Gerald Hüther beschreibt die Vorteile in seiner Arbeit. Er forscht an der Entwicklung des menschlichen Gehirns und was das für „Das Mensch sein“ bedeutet. Je nachdem wie ich mich selbst manage, wie ich mein Selbst ausrichte, so entwickelt sich das Gehirn, bzw. werden unterschiedliche Areale im Gehirn angesprochen. Tendenziell werden wir in unserer heutigen Gesellschaftsform ständig von außen bewertet und unsere Leistung wird eingeschätzt. Er empfiehlt, sich davon frei zu machen und ein eigenes Bewusstsein für die eigenen Werte, für die eigene Würde zu entwickeln. Denn jeder Mensch ist individuell und wertvoll. Dann entwickelt sich das Gehirn auch physiologisch sichtbar in eine andere Richtung. Areale werden aktiv, die uns helfen auch unser intuitives Potential zu nutzen und über mehr Empathie-Fähigkeit auch eine Co-Kreativität zu entwickeln, welche aus dem Zusammenspiel mit anderen Menschen resultiert. Wir gestalten uns selbst im Kontakt mit anderen. Seines Erachtens funktioniert die Formung des Gehirns dann effektiv, wenn der Körper aktiv beteiligt ist. Dann kann sich der Emotional-Körper in besonderer Weise entwickeln. Wenn ich aktiv Erfolg habe und eine Bedeutung im aktiven Tun erkenne - für etwas brenne, dann bin ich unter anderem auch in der Lage konstruktive Beziehungen aufzubauen. Wenn ich Kontakt zu mir habe, kann ich auch Kontakt zu anderen haben und umgekehrt. Tanzimprovisation und Tanzpädagogik Die Tanzimprovisation ist ein wunderbares Übungsfeld, um sein „Bauchgefühl“ zu entwickeln und spontan und intuitiv in Situationen handeln zu können. Wir können das im Tanzen nicht nur im Kopf, sondern verbunden mit dem Körper, mit Wahrnehmung und Bewegung, aktiv erleben und entwickeln. Die Kompetenzen integrieren sich in unsere alltägliches „Sein“ und lassen uns wachsen. Kurz: Die anderen Tanzbereiche, Tanzformen und Choreografie Intuition ist auch Bestandteil bei zunächst fremdbestimmten, festgelegten Bewegungen, also Bewegungen, die ich im mit vollziehen lerne – die jemand mit- und beibringt. Zunächst werden diese Tanzformen gelernt und durch unterschiedliches Üben (mit vollziehend, eigenaktiv, in Partnerarbeit oder alleiniges erinnern…) so stabil, dass sie „automatisiert“ ablaufen können. Die Bewegung belegt die Nervenbahnen flüssig und das Muster ist gespeichert. Ist dieser Punkt erreicht, kann ein individueller Ausdruck darin entwickelt werden. Auch hier kann ich innerhalb dieser Bewegung meine Intuition über das fokussieren oder befragen der Wahrnehmung anstoßen. Zum Beispiel über die Qualität der Musik, über die Fantasie, den Kontakt mit anderen, ein Körpergefühl…. Man kann auch entscheiden. Diese Befragung kann auch direkt beim Finden und Festlegen von Bewegung von Anfang an erfolgen. Man kann sich von beiden Seiten nähern. Auch in der Gestaltung von Choreografien, Tanzstücken ist dies ein Prozess von Intuition und Kognition bei der Verbindung der einzelnen Teile.
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Tanzimprovisation – das Zusammenspiel von Intuition und Kognition Aufsatz anlässlich des Workshops „Improvisation und Körperarbeit“ im TanzRaum Münster, März 2018 von Uli Trautmann, Tanzpädagoge, letzte Bearbeitung am 18.04.18 „Der Zufall trifft nur einen vorbereiteten Geist.“ Louis Pasteur Was ist Intuition In der Tanzimprovisation tanzen wir spontan und verlassen uns auf unsere Intuition. Und auch der kognitive Anteil in uns spielt eine Rolle. Wir haben beide Anteile in uns: Das Messen, das Bewerten, das Einordnen, das Planen. Das Gefühl, die Ahnung, die Emotion. Unsere Gesellschaft greift mehr auf ersteres zurück. Die Psychologie sieht die „emotionale Intelligenz“ inzwischen als gewichtiger an, als die „Kognitive“ die „Erlernte“. Das Verhältnis solle eigentlich bei 70 zu 30 liegen. Einstein und die Intuition: "Alles, was zählt, ist die Intuition. Der intuitive Geist ist ein Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat." Albert Einstein, zitiert aus: PM. Dezember 2009.  Woher kommt die Intuition? Es gibt unterschiedliche Begriffe die Intuition beschreiben, wie z.B. „gefühltes Wissen“, „abgesunkenes Wissen“ oder „geschulte Intuition“. Deutlicher wird es noch, wenn ich mir die Herangehensweise von zwei sehr etablierten Künstlerinnen anschaue: Marina Abramović ist eine serbische Performance-Künstlerin. Eine Herangehensweise von ihr ist es, dass sie sich mit einem Thema in den unterschiedlichsten Facetten beschäftigt - sich damit „füttert“. Dann lässt sie los, entspannt sich, lässt es fließen und aus diesem Zustand heraus entsteht das Werk. Pina Bausch war eine deutsche Tänzerin, Choreografin, Tanzpädagogin und Ballettdirektorin des nach ihr benannten Tanztheaters. Sie entwickelt die Choreografien aus den Biografien ihrer TänzerInnen heraus, indem sie die TänzerInnen über Fragestellungen improvisieren lässt. Sie beschreibt das folgendermaßen „Der Körper ist ein Erinnerungsspeicher - seine Bewegung ist Ausdruck gelebter Erfahrung. Der unmittelbare physische Ausdruck, die Bewegung rührt auf einer assoziativen Ebene ein Wissen an, dass jeder Mensch in sich trägt“. Inzwischen nehmen immer mehr Wissenschaftler Konzepte wie "Inneres Wissen" ernst. Experten bescheinigen der Intuition, dass sie aus einer Wissensflut - also Erfahrungen - die entscheidenden Informationen herausfiltern kann, die in einer bestimmten Situation wichtig sind. Sekundenschnell vergleicht das Unbewusste die (focussierbare oder lenkbare) Wahrnehmung mit abgespeicherten Fakten - oder abgesunkenem Wissen - und stellt wichtige Verknüpfungen her, die der Geübte sofort in einen spontanen Bewegungsausdruck formen kann. Intuition  wird aus Erfahrung gespeist. Das können Erfahrungen aus der Vergangenheit sein – Lebenserfahrung. Es kann auch sein, dass man sich direkt vor einer Improvisation bewusst, intensiv mit etwas beschäftigt und möglichst unterschiedliche Wahrnehmunskanäle nutzt. Intuition, Kognition - Improvisation Abgespeicherte Erfahrungen können also angeregt werden. Sie werden je nach Art der Anregung und der entsprechenden Focussierung gefiltert und Verknüpfungen werden hergestellt. Ähnlich wie beim „Brainstorming“ (dem unbewerteten auftauchen lassen von Informationen bezogen auf ein Thema), können auch Bewegungen auftauchen. Je größer der Erfahrungsschatz, desto vielfältiger und differenzierter kann Bewegung auftauchen. Die Intuition kann also „gefüttert“ oder „befragt“ werden. Eine folgende Improvisation kann die Tanzenden  dann überall hinführen. Ich beobachte im Unterricht allerdings, dass in einer anschließenden Improvisation  Themen vermehrt auftauchen können. Themen, mit denen man sich über die Wahrnehmung verknüpft mit  Bewegung vorher beschäftigte, auseinandersetzte, diese fokussierte. Man kann Themen „befragen“ und  den Erfahrungsschatz „anstoßen“. Man kann die Wahrnehmung/Bewegung „vortrainieren“ und  Wahrnehmungs- und Bewegungskanäle „vorglühen“. In der Improvisation ist eine Intuition dann Wissen, das auf Erfahrung beruht und durch direkten Kontakt mit etwas Wahrgenommenem oder Fokussiertem hervortritt. Auf dem „Marktplatz der Möglichkeiten“ bieten sich Chancen anzuknüpfen. Die Improvisation ist ein Wechselspiel zwischen Intuition und Kognition. Man nimmt eine sich beobachtende Rolle ein. Man nimmt „im Moment“ wahr was intuitiv passiert. Manchmal läuft die Improvisation rein intuitiv. Es können im „Selbst Beobachten“ auch Themen, Situationen erkannt werden. Dann kann im Moment entschieden werden, am auftauchenden Thema eine Weile „Dran zu bleiben“ und es wieder auf eine intuitive Schiene zu setzen. Es ist ein Wechselspiel zwischen Intuition und Entscheidung in fließenden Übergängen. In der Tanzkunst stehen uns für das „Vorglühen“, trainieren, üben die Tanzaspekte zur Verfügung: Raum Zeit/Musik Körper/Bewegung Kontakt Fantasie Wir können über die Tanzaspekte an unserem Erfahrungsschatz und an unserer Wahrnehmungs- und Bewegungskompetenz arbeiten Unser Instrument – Der „Responsiv Body“ In der Tanzkunst ist unser Instrument der Körper. Das ist prima, dann können wir jederzeit „loslegen“. Er ist direkt mit unserer Intuition verbunden. In Bezug auf das spontane Tanzen/Improvisieren kann vom Responsiv Body - dem antwortenden Körper.“ gesprochen werden. Der Körper besitzt eine eigene Bewegungsintelligenz, die sich mehr und mehr über die Wahrnehmungs- und Bewegungsarbeit entwickelt (zu jeder Bewegung gehört eine Wahrnehmung und umgekehrt). Er kann eigenständig reagieren und verfügt über instinktive Reflexe. Die Antwort ist Intuitiv. Die Antworten entstehen aus dem Erfahrungsschatz. Entspannung aus der tänzerischen Körperarbeit Anspannung überdeckt Empfindung/Wahrnehmung. Wenn man angespannt ist, dann steht dieses Gefühl geistig und körperlich so stark im Vordergrund, dass das Gefühl, die Intuition gar nicht oder nur schwer erreicht werden kann. Man ist vorwiegend mit der Anspannung beschäftigt und die anderen Kanäle sind weitest gehend blockiert. Das kann man medizinisch u.a. mit dem vegetativen Nervensystem erklären. Vieles oder alles funktioniert in der Welt und in uns als Mensch in Gegensätzen. Das Herz kontrahiert und entspannt sich, bei der Atmung ist es ähnlich, die Muskulatur funktioniert über beugen und strecken (anspannen, entspannen). Es gibt noch mehr Beispiele. Man nennt das Bipolarität. Im Organismus ist das vegetative Nervensystem hauptsächlich für dieses Zusammenspiel der Gegensätze verantwortlich. Es fungiert als die Energiezentrale. Dabei spielen zwei Anteile eine Rolle: Der Sympathikus und der Parasympathikus. Die beide steuern gemeinsam wichtige Körper-Funktionen. Der Sympathikus ist eher für die „Power“ zuständig und versetzt den Körper in erhöhte Leistungsbereitschaft. Der Parasympathikus ist als Teil des vergetativen Nervensystems Gegenspieler (Antagonist) des Sympathikus. Durch ihn werden vorwiegend Körperfunktionen innerviert, die der Regeneration des Organismus und dem Aufbau von Energiereserven dienen. Das innere Gleichgewicht (Homöostase) des Organismus wird auch unter seinem Einfluss wieder hergestellt. Er sorgt eher für die Ruhe und die Entspannung. Das Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus sollte im Gleichgewicht sein. Der wichtigste Nerv des Parasympathikus ist der Vagus-Nerv. Dieser steht in direkter Verbindung zum vegetativen Nervensystem. Es ist ein Haupt-Nerv im Hirnstamm. Dieser verschickt die Botschaften aus dem Gehirn in die Körperperipherie. UND: Über den Vagus-Nerv kommen auch Botschaften aus der Peripherie wieder zurück in die Zentrale. Es ist also ein Dialog. Dabei transportiert der Vagus auch Gefühle und Empfindungen, die bei uns zu den „sogenannten“ Bauchentscheidungen führen. Das könnte man Bauchgehirn nennen. Oder emotionale Intelligenz. Oder Intuition. Je mehr wir aktiv an unserer Ruhe arbeiten, umso freier wird der Weg durch den Vagus-Nerv, bzw. umso mehr wird dieser unterstützt. Die Fähigkeit intuitiv zu handeln steigt. Anspannung überdeckt Empfindung. Hier macht Körperarbeit Sinn. Beschreiben statt bewerten Es also ist für das Improvisieren, das ja im Moment passiert, hilfreich, wenn man sich entspannt. Kontraproduktiv ist es, sich ständig zu bewerten: mache ich es gut, oder schlecht? Dann ist der kognitive Anteil aktiv, der Forderungen an uns stellt, die uns stressen. Dann ist die Intuition nicht zu erreichen. Insbesondere wenn man anfängt zu improvisieren, dann ist „Bewertung“ eigentlich IMMER das Thema. So ganz frei ist niemand davon, weil wir es gewohnt sind, dass unsere „Leistung“ immer benotet oder bewertet wird. Gut – Schlecht, Richtig – Falsch. Hilfreich ist es, Erlebtes / Erfahrungen erst einmal zu beschreiben, oder beschreibend zu reflektieren, anstatt direkt zu be- oder verurteilen. Beobachten und beschreiben macht Erfahrungen unbewertet bewusst und man kann darauf aufbauen. Der Neurobiologe Gerald Hüther beschreibt die Vorteile in seiner Arbeit. Er forscht an der Entwicklung des menschlichen Gehirns und was das für „Das Mensch sein“ bedeutet. Je nachdem wie ich mich selbst manage, wie ich mein Selbst ausrichte, so entwickelt sich das Gehirn, bzw. werden unterschiedliche Areale im Gehirn angesprochen. Tendenziell werden wir in unserer heutigen Gesellschaftsform ständig von außen bewertet und unsere Leistung wird eingeschätzt. Er empfiehlt, sich davon frei zu machen und ein eigenes Bewusstsein für die eigenen Werte, für die eigene Würde zu entwickeln. Denn jeder Mensch ist individuell und wertvoll. Dann entwickelt sich das Gehirn auch physiologisch sichtbar in eine andere Richtung. Areale werden aktiv, die uns helfen auch unser intuitives Potential zu nutzen und über mehr Empathie-Fähigkeit auch eine Co-Kreativität zu entwickeln, welche aus dem Zusammenspiel mit anderen Menschen resultiert. Wir gestalten uns selbst im Kontakt mit anderen. Seines Erachtens funktioniert die Formung des Gehirns dann effektiv, wenn der Körper aktiv beteiligt ist. Dann kann sich der Emotional-Körper in besonderer Weise entwickeln. Wenn ich aktiv Erfolg habe und eine Bedeutung im aktiven Tun erkenne - für etwas brenne, dann bin ich unter anderem auch in der Lage konstruktive Beziehungen aufzubauen. Wenn ich Kontakt zu mir habe, kann ich auch Kontakt zu anderen haben und umgekehrt. Tanzimprovisation und Tanzpädagogik Die Tanzimprovisation ist ein wunderbares Übungsfeld, um sein „Bauchgefühl“ zu entwickeln und spontan und intuitiv in Situationen handeln zu können. Wir können das im Tanzen nicht nur im Kopf, sondern verbunden mit dem Körper, mit Wahrnehmung und Bewegung, aktiv erleben und entwickeln. Die Kompetenzen integrieren sich in unsere alltägliches „Sein“ und lassen uns wachsen. Kurz: Die anderen Tanzbereiche, Tanzformen und Choreografie Intuition ist auch Bestandteil bei zunächst fremdbestimmten, festgelegten Bewegungen, also Bewegungen, die ich im mit vollziehen lerne – die jemand mit- und beibringt. Zunächst werden diese Tanzformen gelernt und durch unterschiedliches Üben (mit vollziehend, eigenaktiv, in Partnerarbeit oder alleiniges erinnern…) so stabil, dass sie „automatisiert“ ablaufen können. Die Bewegung belegt die Nervenbahnen flüssig und das Muster ist gespeichert. Ist dieser Punkt erreicht, kann ein individueller Ausdruck darin entwickelt werden. Auch hier kann ich innerhalb dieser Bewegung meine Intuition über das fokussieren oder befragen der Wahrnehmung anstoßen. Zum Beispiel über die Qualität der Musik, über die Fantasie, den Kontakt mit anderen, ein Körpergefühl…. Man kann auch entscheiden. Diese Befragung kann auch direkt beim Finden und Festlegen von Bewegung von Anfang an erfolgen. Man kann sich von beiden Seiten nähern. Auch in der Gestaltung von Choreografien, Tanzstücken ist dies ein Prozess von Intuition und Kognition bei der Verbindung der einzelnen Teile.
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